Veröffentlicht am 09.07.2026
„Die müssen zuerst raus“, sagt Nanna Bier vom BUND Berlin und zeigt auf zwei invasive Pflanzenarten. Hinter dem Haus der Jugendfreizeiteinrichtung Plöner Straße liegt ein kleiner Garten, den sich die Natur mit zahlreichen Wildpflanzen weitgehend zurückerobert hat. Ein Apfelbaum spendet Schatten, gegenüber steht ein Insektenhaus – ein Ort, der heute vor allem der Artenvielfalt zugutekommt.
Heute soll ein weiterer Baustein für mehr Biodiversität hinzukommen: ein Sandarium für bodennistende Wildbienen und andere Insekten. Nachdem die invasiven Pflanzen entfernt sind, geht es an die Vorbereitung der Fläche. Mit Spaten und Schaufeln heben die Helfer:innen den Boden aus, fassen die Fläche mit Steinen ein und füllen sie anschließend mit Sand.
„Wir wollen einen offenen Bodenbereich schaffen, in dem sich Insekten wohlfühlen, die gerne im Boden leben, nisten und brüten“, erklärt Nanna Bier. „Der Sand muss ein bisschen zusammenhalten, damit die Röhren, die die Insekten hineinbohren, stabil bleiben und nicht in sich zusammenstürzen.“ Was zunächst wie eine einfache Sandfläche aussieht, wird künftig ein wichtiger Rückzugsort für Insekten.
Während über das Gelände der DRK-Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung Plöner Straße in Charlottenburg-Wilmersdorf ein kühler Wind zieht und am Nachmittag sogar ein paar Regentropfen fallen, wird bei verschiedenen Mitmachaktionen gebuddelt, geharkt und ausprobiert – und ganz nebenbei einiges über Biodiversität gelernt.
Natur- und Umweltschutz beginnt oft im Kleinen – mit einem neuen Lebensraum für Insekten, einem aufgehängten Nistkasten oder einer aufgehobenen Getränkedose. Genau das machte der Mitmach-Aktionstag „Hier wächst Engagement“ auf dem Gelände der Jugendfreizeiteinrichtung Plöner Straße am 4. Juli 2026 erlebbar.
Ziel des Tages war es, Menschen für ein Engagement im Natur- und Umweltschutz zu begeistern und zu zeigen, wie vielfältig freiwilliges Engagement sein kann. Statt nur zuzuschauen, konnten Besucher:innen selbst aktiv werden, Neues ausprobieren und mit Organisationen ins Gespräch kommen, die sich für Umwelt, Nachhaltigkeit und eine lebenswerte Nachbarschaft einsetzen.
Nach kurzer Aufbauzeit verwandelte sich das weitläufige Gelände in einen bunten Treffpunkt mit Informationsständen und Mitmachaktionen. Über den Tag verteilt kamen rund 80 Besucher:innen vorbei, um sich zu informieren, mitzumachen und gemeinsam etwas zu bewegen. Auch politische Vertreter:innen waren vor Ort, tauschten sich mit den Beteiligten aus und informierten sich über die verschiedenen Mitmachaktionen und Projekte.
Wie unterschiedlich Engagement im Natur- und Umweltschutz aussehen kann, zeigten die beteiligten Organisationen mit ihren Angeboten.
Neben dem Sandarium des BUND Berlin wurde bei bee4us eine Fläche am Eingang der Jugendfreizeiteinrichtung für eine Pflanzaktion im Herbst vorbereitet. Dort sollen künftig Frühblüher wachsen und Wildbienen sowie anderen Insekten Nahrung bieten.
Mit wirBERLIN ging es bei einer Clean-up-Aktion auf und rund um das Gelände auf Müllsuche. Die Stiftung Naturschutz Berlin lud dazu ein, gemeinsam ein altes Segelboot zurückzubauen. Das Boot hatte die Einrichtung viele Jahre begleitet, war über die Zeit stark zugewachsen und musste nun aus Sicherheitsgründen weichen. Zudem konnten Besucher:innen Nistkästen bauen und mehr über biologische Vielfalt erfahren.
Auch nachhaltiger Konsum und nachbarschaftliches Engagement kamen nicht zu kurz: Die GRÜNE LIGA Berlin organisierte einen Kleidertausch- und Verschenkestand, PLAN B 2030 zeigte in einem Workshop, wie krisenresiliente und soziale Nachbarschaften entstehen können. Am Glücksrad des NABU Berlin konnten Naturfans spielerisch ihr Wissen über heimische Pflanzen und Tiere testen. Bei der fLotte Berlin konnten Besucher:innen außerdem Lastenräder Probe fahren.
Die Jugendfreizeiteinrichtung selbst beteiligte sich mit einem Grillbuffet zur Mittagszeit und der Staffelübergabe des „Feuers der Jugendarbeit“.
Für Philip Bäter von der Jugendfreizeiteinrichtung Plöner Straße stand vor allem das gemeinsame Anpacken im Mittelpunkt:
„Ich fand es super toll, wie engagiert hier alle waren, sich eingebracht haben und zeigen konnten, was sie können. Und natürlich hoffe ich, dass die Leute wiederkommen und schauen, wie sich langfristig alles entwickelt – und vielleicht haben sie sogar Lust, sich weiter darum zu kümmern.“
Auch Eva Koch von Stiftung Naturschutz Berlin blickt positiv auf den Tag zurück:
„Ich bin beeindruckt, wie gut das heute funktioniert hat: Jede Organisation hat hier ein Angebot gemacht und es wurde super von den Leuten angenommen. Überall wurde mitgemacht und tatsächlich richtig viel bewegt. Das, was wir uns vorgenommen hatten, haben wir auch geschafft – und für jeden war etwas dabei: für die Kinder, die Erwachsenen, die Naturbegeisterten und die Nachbarschaft.“
Besonders die Atmosphäre des Tages blieb Susanne Dittmar von der GÜNEN LIGA Berlin in Erinnerung:
„Es hat mich wirklich berührt zu sehen, wie schön es hier ist, wie viele Menschen ganz unterschiedliche Dinge machen, gemeinsam mit anpacken und was für eine gute Stimmung herrscht – obwohl das Wetter gerade nicht unbedingt das einladendste ist. Ich finde, es ist einfach schön zu sehen, dass es solche Orte der Begegnung gibt.“
So entstanden an diesem Tag nicht nur neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen oder ein saubereres Gelände. Vor allem wurde deutlich, dass Engagement viele Gesichter hat und oft mit einem ersten Ausprobieren beginnt. Vielleicht war genau dieser Samstag für einige Besucher:innen der Beginn eines längerfristigen Engagements – sei es im Natur- und Umweltschutz, in der eigenen Nachbarschaft oder direkt auf dem Gelände der Jugendfreizeiteinrichtung
Der Aktionstag wurde von unserer Arbeitsgruppe UNKE – Umwelt- und Naturschutz zur Koordination des Ehrenamts organisiert.
Mehr über die beteiligten Organisationen und ihre Mitmach- und Engagementmöglichkeiten erfahrt ihr auf den jeweiligen Websites.
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