Am 21. September 2026 kamen rund 50 Teilnehmende zum Forum Inklusion und Vielfalt in einer Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete von Tamaja in Berlin-Marienfelde zusammen. Der bewusst gewählte Veranstaltungsort brachte die Diskussion dorthin, wo Menschen erreicht werden sollen, deren Perspektiven und Erfahrungen für eine inklusive Engagementlandschaft entscheidend sind.
Im Mittelpunkt stand die Frage: Was braucht es, damit Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, ihren Lebensumständen oder einer Behinderung Zugang zu Engagement finden und sich aktiv in die Gesellschaft einbringen können?
In kleinen Gesprächsrunden tauschten sich die Teilnehmenden über ihre Erfahrungen, Hürden und Ideen aus. Dabei ging es um den Einstieg ins Ehrenamt, um Unterstützung und Orientierung, um die Rolle von Menschen mit Fluchtgeschichte als Brückenbauer:innen und um die Frage, wie Engagement auch mit begrenzten zeitlichen, finanziellen oder persönlichen Ressourcen möglich wird. Auch die Verbindung zwischen Ehrenamt und beruflicher Orientierung sowie die Bedeutung von Barrierefreiheit wurden thematisiert.
Am Thementisch „Migrantisch – feministisch – engagiert“ von DaMigra e. V. standen die Erfahrungen von Frauen mit Migrationsgeschichte beim Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt im Mittelpunkt.
Die Diskussionen zeigten, wie schwierig es sein kann, vorhandene Qualifikationen und Berufserfahrungen in Deutschland einzubringen. Langwierige Anerkennungsverfahren, fehlende Informationen zum Arbeits- und Sozialsystem, hohe sprachliche Anforderungen und fehlende berufliche Netzwerke erschweren den Zugang zu passenden Stellen. Teilweise werden Menschen trotz umfangreicher Berufserfahrung in fachfremde Tätigkeiten vermittelt. Auch familiäre Verpflichtungen und fehlende zeitliche Flexibilität können den Einstieg erschweren.
Ehrenamt kann hier eine wichtige Brücke sein: Es ermöglicht praktische Erfahrungen, fördert den Spracherwerb, schafft Kontakte und macht Kompetenzen sichtbar. Voraussetzung ist allerdings, dass Engagierte gut informiert werden und ihre beruflichen Ziele ernst genommen werden.
Was es braucht: verständliche Informationen über berufliche Möglichkeiten und soziale Absicherung, Unterstützung bei der Anerkennung von Abschlüssen, bessere Vernetzung mit Unternehmen und Beratungsstellen sowie Rahmenbedingungen, die unterschiedliche Lebenssituationen berücksichtigen.
Der Thementisch des MachMit-Zentrums e. V. widmete sich der Frage, wie Menschen mit Fluchtgeschichte durch ihr Engagement Verbindungen zwischen unterschiedlichen Kulturen, Communities und gesellschaftlichen Bereichen schaffen können.
Engagement schafft Begegnungen, erweitert soziale Netzwerke und ermöglicht es, neue Perspektiven kennenzulernen. Wer sich engagiert, kann eigene Fähigkeiten einbringen, Verantwortung übernehmen und gesellschaftliche Prozesse mitgestalten. Gleichzeitig können persönliche Erfahrungen helfen, Vertrauen aufzubauen und Zugänge zu Menschen zu schaffen, die Organisationen sonst nur schwer erreichen.
Der Austausch machte deutlich: Menschen mit Fluchtgeschichte sind nicht nur Adressat von Unterstützungsangeboten. Sie können selbst Wissen vermitteln, Menschen verbinden und gesellschaftliche Entwicklungen aktiv mitgestalten.
Was es braucht: offene Zugänge, diversitätssensible Organisationen, Anerkennung individueller Kompetenzen, Möglichkeiten zur Qualifizierung und Vernetzung sowie die gezielte Stärkung von Peer-to-Peer-Ansätzen.
Am Thementisch von interkular gGmbH ging es darum, wie Menschen aktiv werden können, wenn Zeit, Geld, Sprachkenntnisse oder andere Ressourcen begrenzt sind.
Dabei wurde deutlich, wie wichtig es ist, zunächst die individuellen Motivationen und Möglichkeiten zu verstehen: Was möchte ich erreichen? Welche Fähigkeiten bringe ich mit? Wie viel Zeit kann und möchte ich investieren? Und welche Unterstützung brauche ich?
Nicht jede Person kann regelmäßig an festen Terminen teilnehmen oder viel Zeit investieren. Manche möchten ihre berufliche Expertise einbringen, andere suchen Gemeinschaft, möchten ihre Sprachkenntnisse verbessern oder neue Kontakte knüpfen. Auch die Aussicht auf berufliche Perspektiven oder eine Aufwandsentschädigung kann eine Rolle spielen.
Engagement muss deshalb vielfältige Formen zulassen, um den Einstieg zu erleichtern – von kleinen, zeitlich flexiblen Aufgaben bis hin zu Tätigkeiten, bei denen nicht unbedingt gesprochen werden muss.
Was es braucht: flexible Einsatzmöglichkeiten, Beratungsangebote sowie niedrigschwellige Informationsangebote, eine gute Begleitung sowie eine Ansprache, die an den Interessen und Lebensrealitäten der Menschen ansetzt.
Der Thementisch von KulturLeben Berlin – Schlüssel zur Kultur e.V. widmete sich der Frage, wie kulturelle Teilhabe und ehrenamtliches Engagement für Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen zugänglich werden können.
Am Beispiel eines Vereinsmitglieds, das seit einem Unfall im Rollstuhl sitzt und sich selbst bei KulturLeben einbringt, wurde deutlich, wie wichtig kulturelle Teilhabe für Selbstbestimmung, Respekt und das Gefühl der Zugehörigkeit ist. Zugleich zeigte sich: Ehrenamt ist nicht nur etwas für Leistungsträger. Menschen sollen unabhängig von ihren Voraussetzungen die Möglichkeit haben, ihre Erfahrungen und Fähigkeiten einzubringen und aktiv mitzugestalten.
Auch das Projekt „Engagiert statt isoliert“ wurde vorgestellt. Es fördert kulturelle Teilhabe und ehrenamtliches Engagement von Drittstaatsangehörigen mit und ohne Behinderung. Durch den Zugang zu Kulturangeboten, die Mitarbeit in Vereinen und Projekten sowie die Vernetzung mit anderen Organisationen werden Begegnungen ermöglicht, soziale Kontakte gestärkt und neue Wege gesellschaftlicher Beteiligung eröffnet.
Die anschließende Diskussion machte deutlich: Es braucht eine zentrale Informationsplattform, die Menschen einen einfachen Zugang zu Informationen über inklusive Angebote sowie passende Unterstützungsmöglichkeiten ermöglicht.
Was es braucht: barrierefreie Zugänge zu Kultur und Engagement, damit Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen selbstbestimmt teilnehmen und ihre Fähigkeiten einbringen können, eine zentrale Informationsplattform für inklusive Angebote und Unterstützungsmöglichkeiten sowie verlässliche Ansprechpersonen, die Orientierung geben und Teilhabe erleichtern.
Über die verschiedenen Thementische hinweg zeigten sich gemeinsame Anliegen, Wünsche und Forderungen:
Das Forum Inklusion und Vielfalt ist aus der 3. Berliner Engagementkonferenz hervorgegangen. Neben diesem Themenforum beschäftigen wir uns im Jahr 2026 in zwei weiteren Foren mit zentralen Fragen des Engagements: Junges Engagement sowie Zusammenarbeit neu gestalten – das Demokratie-Narrativ.
Die Ergebnisse aller drei Foren werden auf der 4. Berliner Engagementkonferenz am 02./03. November 2026 zusammengeführt und weitergedacht.
Organisiert wurde das Forum in Kooperation mit Tamaja Soziale Unternehmen GmbH, KulturLeben Berlin – Schlüssel zur Kultur e. V., DaMigra e.V., interkular gGmbH, Ipso gGmbH und der Landesfreiwilligenagentur Berlin e.V.
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