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Was kann die demokratische Zivilgesellschaft autoritären Kräften entgegensetzen?

Veröffentlicht am 23.03.2026

Verschwommene Silhouetten von Menschen die über einen sehr breiten Zebrastreifen gehen.
Foto: Pixabay | Brian Merrill

Weltweit geraten zivilgesellschaftliche Akteur:innen zunehmend unter Druck – und auch in Deutschland nehmen Angriffe auf Engagement und demokratische Strukturen spürbar zu. Was kann die demokratische Zivilgesellschaft autoritären Kräften entgegensetzen? Mit dieser Frage ist unser Fachkreis Zivilgesellschaftsforschung am 17. März 2026 in sein erstes Treffen des Jahres gestartet.

Als Impulsgeberin war Dr. Ella Müller zu Gast. Seit Herbst 2025 leitet sie den Thinktank TTREX und analysiert gemeinsam mit ihrem Team rechte Angriffe auf die Zivilgesellschaft sowie erfolgreiche Gegenstrategien.

Zum Einstieg haben wir den Blick in die USA gerichtet: Dort zeigt sich besonders deutlich, wie feindselig die Trump-Administration einer aktiven, kritischen Zivilgesellschaft gegenüberstehen und welche Auswirkungen das auf demokratische Räume haben kann.

Trumps Angriff auf die Zivilgesellschaft

Die Politik der Trump-Administration gegenüber der aktiven Zivilgesellschaft folgt einer klar erkennbaren Strategie: Staatliche Macht wird gezielt eingesetzt, um zivilgesellschaftliche Akteur:innen zu schwächen – etwa durch die Kürzung von Fördergeldern sowie steuerliche Prüfungen und juristischen Druck. Parallel dazu werden kritische Stimmen öffentlich diffamiert und eingeschüchtert. Hinzu kommt eine zunehmende Eskalation von Gewalt im Kontext staatlicher Maßnahmen, wie aktuelle Entwicklungen rund um Einsätze der Einwanderungsbehörde ICE zeigen.

Diese Entwicklung kommt nicht überraschend: Die Regierung hat ihre konfrontative Haltung gegenüber zivilgesellschaftlichem Engagement von Anfang an offen angekündigt.

Reaktionen der amerikanischen Zivilgesellschaft seit Januar 2025

Es zeigt sich ein gemischtes Bild der Reaktionen: Viele etablierte Institutionen waren zunächst unvorbereitet oder reagierten defensiv – etwa Universitäten, die dem politischen Druck, insbesondere bei Budgetfragen, schnell nachgaben. Wenn selbst große, etablierte Akteure sich schnell anpassen und auf Linie gehen („Selbst-Gleichschaltung“), setzt das kleinere Organisationen unter Druck – denn wenn schon die Mächtigen einknicken, wird es für andere umso schwerer, dagegenzuhalten. Zudem versuchten viele große Institutionen zunächst, individuelle Absprachen zu treffen, und suchten erst nach deren Scheitern den Schulterschluss in Allianzen. Damit ging wertvolle Zeit verloren.

Doch auch in den USA gibt es sie: eine aktive Zivilgesellschaft, die dagegenhält: Juristisch arbeitende Organisationen führen erfolgreich Verfahren gegen Regierungshandeln, Netzwerke überprüfen kritisch die Umsetzung politischer Programme und machen Lücken sichtbar. Besonders erfolgreich ist die Organisation eines dezentralen Widerstands, der sich über die gesamten USA erstreckt. Er wird von lokalen Initiativen im ganzen Land getragen, die breite Bevölkerungsschichten erreichen und Protest mobilisieren. Ergänzt wird dies durch gezielte Boykotte großer Unternehmen, die der Trump-Administration nahestehen, sowie durch breit anschlussfähige Protestformate – etwa bei landesweiten Aktionstagen oder in den Protesten gegen Maßnahmen der Einwanderungsbehörden.

Was wir daraus mitnehmen

Für eine aktive Zivilgesellschaft geht es vor allem darum, langfristig resilient und handlungsfähig zu bleiben. Dazu gehören eine breitere finanzielle Aufstellung, starke Netzwerke und der Mut, sichtbar und selbstbewusst Position zu beziehen. Gleichzeitig ist es wichtig, Engagement in all seinen Facetten – auch im Kleinen – als zentralen Bestandteil demokratischen Zusammenhalts anzuerkennen und stärker in die Öffentlichkeit zu tragen.

Publikationen von TTREX zum Thema

Vertiefende Analysen, Beispiele und Publikationen zum Thema finden sich auf der Website von TTREX.

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Im Landesnetzwerk Bürgerengagement Berlin e.V. (LNBE) verfolgen wir genau das Ziel, die engagierte Zivilgesellschaft über Themen hinweg zu vernetzen – immer auf der gemeinsamen Grundlage demokratischer Werte. Neue Mitglieder sind jederzeit willkommen: Je mehr wir sind, desto stärker wird unsere Stimme.

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