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Vorreiter gegen Einsamkeit: Reinickendorf setzt bundesweit ein Zeichen

Veröffentlicht am 19.01.2026

Foto: Sebastian Hoehn

Berlin-Reinickendorf nimmt mit der Schaffung der bundesweit ersten kommunalen Einsamkeitsbeauftragten eine Vorreiterrolle ein: Seit Juli 2024 koordiniert Katharina Schulz Maßnahmen gegen Einsamkeit, vernetzt Akteur:innen und verantwortet den jährlichen Einsamkeitsgipfel. Der Bezirk setzt auf niedrigschwellige Angebote wie Quasselbänke und Stammtische, um Einsamkeit bei unterschiedlichen Zielgruppen aktiv zu begegnen und macht deutlich, dass dieses Modell auch für andere Berliner Bezirke sinnvoll wäre.

von Eveline Harder, ehrenamtliche Redakteurin des Landesnetzwerks Bürgerengagement Berlin e.V.

Berlin ist die Hauptstadt der Einsamkeit. Jeder zehnte Einwohner ist davon betroffen. Die Reinickendorfer Bürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner hat sich seit über 10 Jahren das Thema Einsamkeit auf die Fahne geschrieben.

Reinickendorf als Vorreiter: Die erste kommunale Einsamkeitsbeauftragte

Sie schuf im Jahr 2024 die Stelle der Einsamkeitsbeauftragten. Die Aufgabe übernahm im Juli 2024 Katharina Schulz, die seit dem 01.März 2024 bereits als Ehrenamtsbeauftragte des Bezirks Reinickendorf tätig war. Mit der Einrichtung der Ehrenamtsbeauftragtenstelle erfüllt der Bezirk Reinickendorf eine Vorgabe des Berliner Senats, wonach in jedem Bezirk eine volle Stelle vorgesehen ist, die ausschließlich im Bereich der Engagement- und Demokratieförderung tätig ist. Aufgrund der themenübergreifenden Arbeit der Freiwilligenagenturen ist diese Stelle direkt der Bezirksbürgermeisterin zugeordnet. Die Einsamkeitsbeauftragtenstelle ist hiervon klar zu unterscheiden. Sie stellt eine eigenhändige kommunale Funktion dar. Mit ihrer Schaffung nimmt Reinickendorf bundesweit eine Vorreiterrolle ein – es handelt sich um die erste kommunale Einsamkeitsbeauftragtnstelle in Deutschland.

Auf dem 3. Einsamkeitsgipfel, eine Fachveranstaltung die Wissenschaft und Praxis vereint, im Dezember 2024 wurde Katharina Schulz vorgestellt, und der 16. Dezember wurde offiziell als Tag gegen Einsamkeit in Reinickendorf ausgerufen.

Aufgaben, Schwerpunkte und Vernetzung

Im Jahr 2024 lag das Thema Einsamkeit mit Fokus auf Seniorinnen und Senioren, 2025 ist das Thema Einsamkeit bei Jugendlichen und jungen Leuten. Der Einsamkeitsgipfel fand dieses Mal im Foyer des Ernst-Reuter-Saales statt. Drei Schulen aus dem Bezirk haben sich gemeinsam mit dem Bezirksamt intensiv mit dem Thema Einsamkeit auseinandergesetzt und werden ihre Perspektiven auch beim Einsamkeitsgipfel einbringen und mitprägen. (Schulfarm Insel Scharfenberg, Max-Beckmann-Schule und die Albrecht-Haushofer-Schule, die 98% kiezfremde Schüler hat). Es gab Fachvorträge, Workshops und den direkten Austausch mit lokalen Initiativen.

Katharina Schulz, die diese verantwortungsvolle Aufgabe übernommen hat, war seit 2019 als Mitarbeiterin in der Pressestelle im Rathaus erste Ansprechpartnerin für das Ehrenamtsbüro. Zu ihren Hauptaufgaben gehört es, die Infrastruktur für Engagement und Beteiligung im Bezirk weiter zu stärken und auszubauen. Das Ehrenamt soll sichtbarer gemacht werden und eine größere Anerkennungskultur fördern. Es sollen Strukturen gegen Einsamkeit geschaffen werden, Maßnahmen zu koordinieren in Zusammenarbeit mit anderen Instituten und Organisationen (z. B. Exeter, Unionhilfswerk, Seniorenvertretung), Angebote sichtbar machen, um langfristig niederschwellige Strukturen zu erreichen. Außerdem ist sie für die Planung und Durchführung des jährlichen Einsamkeitsgipfels zuständig. Frau Schulz geht mit großem Engagement, Interesse und großer Zugewandtheit ihre Aufgabe an und ist vielseitig vernetzt.

Eveline Harder (links, Sozialwerk Berlin und ehrenamtliche Redakteurin für das LNBE) mit Emine Demirbüken-Wegner (mitte, Bezirksbügermeisterin Reinickendorf) und Katharina Schulz (2. von rechts, Einsamkeitsbeauftragte Reinickendorf), Foto: Sebastian Hoehn

Angebote gegen Einsamkeit und ein Blick in die Praxis

Der Bezirk ist in Sachen Einsamkeit sehr aktiv. Zurzeit sind neun Quasselbänke im Bezirk aufgestellt, die von Auszubildenden des Garten- und Grünflächenamtes aufgearbeitet und bemalt wurden, weitere sind in Vorbereitung. Quasselbänke gibt es auch im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf und Silbernetz hat drei Plauderbänke im Bezirk Wedding aufgestellt. Es sind Stammtische gegen Einsamkeit entstanden. Es gibt Stammtische in der Konditorei Laufer, Eiscafé Bacio Waidmannslust, Alte Fasanerie „Hofstube“ Lübars, Immanuel Stadtzentrum Borsigwalde und ganz neu Kreativ Café Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Berlin-Reinickendorf – Baptisten-Kirche. Die Übersicht der Stammtische ist zu finden unter:

Die Stammtische gegen Einsamkeit sind ein niedrigschwelliger und gemütlicher Treffpunkt in direkter Nachbarschaft für Jung und Alt, zudem verstärkt Altersarmut das Problem der Einsamkeit. Rein statistisch gesehen sind in Reinickendorf 26.600 Bürger von Einsamkeit betroffen.

Am 20.11.2025 war die Eröffnung des Kreativ Cafés der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde in Alt-Reinickendorf 32, 13407 Berlin. Regelmäßig jeden 1.und 3. Donnerstag im Monat von 15:00-17:00 Uhr ist es geöffnet, der Besuch ist kostenfrei. Zur Eröffnung der Veranstaltung war die Bürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner anwesend und hielt eine berührende Rede. Die Ehrenamtsbeauftragte Katharina Schulz und eine Journalistin vom Tagesspiegel nahmen teil. Circa 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Baptisten-Gemeinde waren die ersten Gäste, die Leiterin des Kreativ Cafés Rosemarie Teichelmann sowie der Pastor Georg Schieling und der Gemeindeleiter Detlev Nagi. Bei Kaffee und Kuchen wurden rege Gespräche geführt.

Es war sehr interessant, mit Frau Schulz über ihre Aufgaben zu sprechen und sie in Aktion bei der Eröffnung des Kreativ Cafés zu erleben. Für die Stadt Berlin wäre es empfehlenswert, in allen Stadtbezirken die Position einer Einsamkeitsbeauftragten zu installieren.

Dieser Beitrag wurde von Eveline Harder aus unserer AG Redaktionsteam verfasst – herzlichen Dank dafür!

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